Rotatorenmanschetten-Schmerz begreifen: Praxisnahe Tipps bei RCRSP

Weshalb Rotatorenmanschetten-Schmerzen entstehen, welche Trainingsformen tauglich sind und ob manuelle Therapie oder Eingriffe ratsam sein können. Außerdem gibt es Hinweise, um anhaltende Probleme zu vermeiden.

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Letztes Update:
2025-01-26
Von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.)
Geschäftsführerin
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Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.

Was löst rotatorenmanschettenbedingte Schulterschmerzen aus?

Verschiedene Ursachen stehen im Raum. Neben mechanischen Faktoren wie engem subakromialem Spalt spielen chemische Reize und psychosoziale Aspekte eine Rolle (Lo et al., 2022). Manchmal steckt hinter dem subakromialen Schmerzsyndrom ein strukturelles Problem, gelegentlich sind jedoch eher stressbedingte oder verhaltensbasierte Faktoren am Werk (Haik et al., 2020). Auch die allgemeine Gesundheit kann darauf Einfluss nehmen, beispielsweise wenn kardiometabolische Risiken bestehen (Burne et al., 2019).

Praktisch bedeutet das: Nicht bei jedem entsteht das gleiche Beschwerdebild. Wer sportlich aktiv ist, erlebt womöglich ein anderes Muster als jemand, der eher sitzend arbeitet. Deshalb ist eine individuelle Untersuchung hilfreich, um die passenden Schritte einzuleiten (Lewis, 2016).

Ist Trainingstherapie wirklich effektiv bei RCRSP?

Trainingstherapie Schulter wird meist als erster konservativer Ansatz empfohlen. Studien decken auf, dass bei vielen Menschen eine spürbare Verbesserung eintritt, allerdings nicht immer so stark wie erhofft (Powell et al., 2024). Wenn man sie mit Operationen oder Kortisonverabreichungen vergleicht, ergeben sich im Durchschnitt ähnliche Resultate (Lähdeoja et al., 2020). Die reine Wirksamkeit ist also vorhanden, jedoch kann es Unterschiede in der Intensität oder im Aufbau des Übungsprogramms geben (Naunton et al., 2020).

In einzelnen Studien werden spezifische Trainingsmethoden genannt, die in Kombination mit Patientenedukation gut abschneiden – manche Menschen kommen dennoch nicht optimal zurecht (Dube et al., 2023).

Insgesamt lässt sich festhalten: Trainingstherapie ist ein wichtiger Pfeiler im konservativen Management von Rotatorenmanschetten-Schmerzen, bleibt in ihrer Wirksamkeit aber von der Qualität der Übungsanleitung und den individuellen Umständen abhängig (Babatunde et al., 2021).

Welche Übungen helfen bei RCRSP besonders gut?

Im Grunde gibt es keinen “perfekten” Trainingsansatz, der für alle gleichermaßen funktioniert. Dennoch lassen sich einige Empfehlungen formulieren:

  1. Eccentric Exercises oder isometrische Übungen – was wirkt besser?
    Frühe Studien wiesen auf Vorteile exzentrischer Übungen hin; neuere Untersuchungen sehen hingegen keine wesentliche Überlegenheit gegenüber anderen Kontraktionsformen (Alfredson et al., 1998; Larsson et al., 2019). Isometrische Übungen können sich ebenfalls eignen, um Schmerzen besser zu steuern.
  2. Anpassung der Trainingsintensität
    Studien legen nahe, dass eine höhere Dosis Krafttraining nicht zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führt. Entscheidend ist die individuelle Dosierung, angepasst an Schmerz und Belastungsverträglichkeit (Clausen et al., 2021).
  3. Supervision und Feedback
    Wenn die Übungen regelmäßig angeleitet und überwacht werden, steigen Adhärenz und Erfolg (Liaghat et al., 2021). Häufig nimmt jedoch mit der Zeit die Betreuungsintensität ab, sodass hier eine besondere Motivation und klare Anleitung wichtig sind.
  4. Bewegung in den Schmerz hinein
    Studien zeigen, dass leicht schmerzhafte Übungen kurzfristig sogar bessere Ergebnisse erzielen können – vorausgesetzt, der Schmerz klingt nach der Belastung rasch wieder ab (Smith et al., 2017).

Wie sinnvoll ist manuelle Therapie zusätzlich zum Training?

Manuelle Therapie der Schulter steht zur Debatte, wenn die Beweglichkeit sehr eingeschränkt ist oder gezielte Mobilisationen Linderung verschaffen sollen. Eine Übersichtsarbeit postuliert, dass diese kurzzeitig hilfreich sein kann, kombiniert mit Übungen (Pieters et al., 2020). Wer also an streng blockierten Bewegungen leidet, kann daraus Nutzen ziehen.

Aktuelle Untersuchungen betonen allerdings, dass der Zugewinn im Vergleich zu einer puren Trainingsroutine nicht immer eindeutig größer ist (Paraskevopoulos et al., 2023). Eine weitere Studie liefert Hinweise, dass manuelle Techniken eventuell Erwartungen steigern und so positive Effekte begünstigen (Naranjo‐Cinto et al., 2022). Letztlich hängt viel davon ab, wie jemand zu dieser zusätzlichen Methode steht und ob man sich damit wohlfühlt (Hoffmann et al., 2020).

Wann reicht Training allein nicht mehr aus?

  • Die Frage „Wann ist eine OP bei Rotatorenmanschettenriss nötig?“ ist für viele relevant. Operation Rotatorenmanschette wird dann in Erwägung gezogen, wenn konservative Maßnahmen wie Schulterphysiotherapie und Trainingstherapie Schulter über längere Zeit nicht helfen (Karjalainen et al., 2019). Auch ein massiver Riss oder hartnäckige Schmerzen, die den Alltag beeinträchtigen, sind Anlass, über einen chirurgischen Eingriff nachzudenken (Lähdeoja et al., 2020).

  • Gleiches gilt für Injektion der Schulter (z. B. PRP, Kortison), wenn sich sonst keine Besserung einstellt. Allerdings sollte man bedenken, dass Kortison lediglich vorübergehend zur Schmerzabsenkung beitragen kann (Hopewell et al., 2021). Langfristig lohnt es sich, den Schultergürtel durch passendes Training zu stabilisieren (Powell et al., 2024).

Ob eine Operation der Rotatorenmanschette bei RCRSP wirklich notwendig ist, hängt stets vom genauen Befund ab. Viele Patienten verzichten erfolgreich auf chirurgische Eingriffe, solange eine fundierte und konsequente Therapie vorliegt (Babatunde et al., 2021).

Injektionen bei rotatorenmanschettenbedingtem Schulterschmerz

Neben Kortison gibt es PRP (plättchenreiches Plasma), Hyaluronsäure oder Prolotherapie. Steroide mindern Schmerzen schnell, doch andere Varianten punkten teils auf längere Sicht (Xu, 2023; Nesterenko et al., 2020; Zhi et al., 2022).

PRP (Plättchenreiches Plasma)

Hyaluronsäure

  • Wirkeffekt
    Hyaluronsäure wird bei anhaltenden Schulterbeschwerden eingesetzt und scheint bei Schmerzreduktion und Beweglichkeit gut abzuschneiden (Nesterenko et al., 2020; Zhi et al., 2022).
  • Zusammen mit Steroiden
    Einige Arbeiten beschreiben einen Zusatznutzen bei gleichzeitiger Gabe von Kortikosteroiden (Zhi et al., 2022).

Prolotherapie

  • Dauerhafter Nutzen
    Prolotherapie weist im Vergleich zu Placebo bessere Ergebnisse auf (Lin et al., 2019).
  • Ähnlich effektiv wie PRP
    Bei Teilrissen kann sie ähnlich wirksam sein, was Schmerz und Funktion betrifft.

Kortikosteroide

Fazit

  • PRP und Prolotherapie
    Gut geeignet, wenn man eine anhaltende Linderung sucht.
  • Hyaluronsäure
    Ebenfalls eine Option, besonders in Kombinationen.
  • Kortison
    Wirkt fix, ist aber weniger nachhaltig.

Die Wahl hängt vom Einzelfall ab. Wer schnelle Ruhe sucht, greift gegebenenfalls zu Kortison. Für Dauererleichterung sind PRP, Hyaluronsäure oder Prolotherapie häufig besser (Sarı and Eroğlu, 2019; Lin et al., 2019; De Sanctis et al., 2020). Eine gründliche Befundung und passendes Training ergänzen jede Injektionstherapie.

Kann ich trotz Schmerzen weitertrainieren?

Viele stellen sich die Frage: „Schulterschmerzen beim Heben des Arms – Ursachen und Lösungen“. Häufig stoppt man abrupt jede Bewegung aus Sorge, es schlimmer zu machen. Studien zeigen allerdings, dass moderate Aktivität nützlich sein kann (Smith et al., 2017). Wird beim Training in geringem Umfang Schmerz ausgelöst, ist dies nicht zwangsläufig schlecht. Wer ein gewisses Maß an Belastung toleriert, regt damit den Stoffwechsel an, was auf lange Sicht vorteilhaft sein kann (Holmgren et al., 2012).

Wer verunsichert ist, ob noch mehr Reizung entsteht, bespricht das idealerweise mit den Physiotherapeuten. Es kann auch helfen, sich an einem „Schmerzfenster“ von etwa 0–3 auf einer Skala zu orientieren. Bleibt der Schmerz in diesem Bereich und klingt nach der Übung rasch wieder ab, kann das ok sein (Powell et al., 2024).

Wie beuge ich erneutem Schulterschmerz langfristig vor?

„Chronische Schulterschmerzen: Wie beuge ich erneuten Problemen vor?“ ist eine häufige Überlegung. Wer RCRSP schon einmal hatte, weiß, wie unangenehm und langwierig es werden kann. Empfehlenswert sind fortlaufende Übungen mit moderater Intensität, denn Bewegung trägt zur besseren Durchblutung und zum Aufbau der stabilisierenden Muskulatur bei (Powell et al., 2024).

Ein biopsychosozialer Ansatz kann ebenfalls hilfreich sein („Biopsychosozialer Ansatz bei Schulterschmerzen: Was bedeutet das?“). Das bedeutet im Kern (Lewis, 2016), dass körperliche, seelische und soziale Faktoren zusammenwirken und gemeinsam betrachtet werden sollten (Hotta et al., 2022). Stress, Ängste oder wenig Unterstützung im Umfeld können dazu beitragen, dass Schmerzen persistieren. Wer hier ansetzt, hat gute Karten, auf Dauer stabil zu bleiben.

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Referenzen

Literatur

  • Lewis, J. (2016). Rotator cuff related shoulder pain: Assessment, management and uncertainties. Manual Therapy, 23, 57–68.
  • Lo, C., Leung, B., Sanders, G., Li, M., & Ngai, S. (2022). The major pain source of rotator cuff-related shoulder pain: A narrative review on current evidence. Musculoskeletal Care, 21(2), 285–293.
  • Haik, M., et al. (2020). Biopsychosocial Aspects in Individuals with Acute and Chronic Rotator Cuff Related Shoulder Pain: Classification Based on a Decision Tree Analysis. Diagnostics, 10.
  • Burne, G., et al. (2019). Is there an association between metabolic syndrome and rotator cuff-related shoulder pain? A systematic review. BMJ Open Sport — Exercise Medicine, 5.
  • Powell, J. K., et al. (2024). Is exercise therapy the right treatment for rotator cuff-related shoulder pain? Musculoskeletal care, 22(2), e1879.
  • Lähdeoja, T., et al. (2020). Subacromial decompression surgery for adults with shoulder pain: A systematic review with meta-analysis. British Journal of Sports Medicine, 54(11), 665–673.
  • Naunton, J., et al. (2020). Effectiveness of progressive and resisted and non‐progressive or non‐resisted exercise in rotator cuff related shoulder pain: A systematic review and meta‐analysis of randomized controlled trials. Clinical Rehabilitation, 34(9), 1198–1216.
  • Dube, M. O., et al. (2023). Does the addition of motor control or strengthening exercises to education result in better outcomes for rotator cuff‐related shoulder pain? A multiarm randomised controlled trial. British Journal of Sports Medicine, 57(8), 457–463.
  • Babatunde, O. O., et al. (2021). Comparative effectiveness of treatment options for subacromial shoulder conditions: A systematic review and network meta-analysis. Therapeutic Advances in Musculoskeletal Disease, 13.
  • Larsson, R., et al. (2019). Effects of eccentric exercise in patients with subacromial impingement syndrome: A systematic review and meta‐analysis. BMC Musculoskeletal Disorders, 20(1), 446.
  • Smith, B. E., et al. (2017). Should exercises be painful in the management of chronic musculoskeletal pain? A systematic review and meta‐analysis. British Journal of Sports Medicine, 51(23), 1679–1687.
  • Clausen, M. B., et al. (2021). Effectiveness of adding a large dose of shoulder strengthening to current nonoperative care for subacromial impingement. The American Journal of Sports Medicine, 49(11), 3040–3049.
  • Pieters, L., et al. (2020). An update of systematic reviews examining the effectiveness of conservative physical therapy interventions for subacromial shoulder pain. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 50(3), 131–141.
  • Paraskevopoulos, E., et al. (2023). Effectiveness of combined program of manual therapy and exercise vs exercise only in patients with rotator cuff‐related shoulder pain: A systematic review and meta‐analysis. Sport Health, 15(5), 727–735.
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  • Hoffmann, T. C., et al. (2020). Shared decision making should be an integral part of physiotherapy practice. Physiotherapy, 107, 43–49.
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  • Hopewell, S., et al. (2021). Progressive exercise compared with best practice advice, with or without corticosteroid injection, for the treatment of patients with rotator cuff disorders (GRASP). The Lancet, 398(10298), 416–428.
  • Holmgren, T., et al. (2012). Effect of specific exercise strategy on need for surgery in patients with subacromial impingement syndrome: Randomised controlled study. BMJ, 344, e787.
  • Hotta, G. H., et al. (2022). Causal mechanisms of a scapular stabilization intervention for patients with subacromial pain syndrome. Archives of Physiotherapy, 12(1), 13.
  • Michener, L. A., et al. (2024). Adding manual therapy to an exercise program improves long‐term patient outcomes over exercise alone in patients with subacromial shoulder pain: A randomized clinical trial. JOSPT OPEN, 2, 29–48.
  • Page, M. J., et al. (2019). Manual therapy and exercise for rotator cuff disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD012224.

Für Ihr Notizbuch

Rotatorenmanschetten-Tendinopathie behandeln: Tipps und Übungen?

Ganzkörperorientierte Bewegungen plus gezielte Schulterübungen können Entlastung bringen (Clausen et al., 2023). Einfache Alltagsaktivitäten wie Wandern stärken dabei gleichzeitig das Herz-Kreislauf-System.

Subakromiales Schmerzsyndrom – was kann ich dagegen tun?

Meist empfiehlt sich eine Kombination aus angepasster Bewegung und kurzen Phasen der Schonung (Powell et al., 2024). Dazu gehört schrittweises Wiederaufbauen der Schulterkraft, eventuell ergänzt durch passive Maßnahmen.

Effektive Schulterübungen gegen Impingement: Anleitung und Dosierung?

Öfter beginnen mit niedriger Belastung, etwa mit Minibändern, und dabei die Wiederholungszahl steigern, sobald kein übermäßiger Schmerz auftritt (Smith et al., 2017).

Schmerzhafte Schulter – hilft mir Physiotherapie oder Kortisonspritze?

Eine Spritze kann zeitweise Schmerzen abdämpfen (Hopewell et al., 2021). Physiotherapie dient hingegen dem aktiven Wiedererlangen von Kraft und Funktion (Page et al., 2019).

Chronische Beschwerden – Wann reicht Training nicht mehr aus und wann ist eine OP sinnvoll bei RCRSP?

Falls trotz fachkundiger Anleitung und über mehrere Wochen kein Fortschritt zu verzeichnen ist, kann ein Eingriff in Betracht gezogen werden (Karjalainen et al., 2019).

Manuelle Therapie vs. Übungen: Was sagt die aktuelle Evidenz?

Einige Auswertungen weisen darauf hin, dass Übungen allein ausreichend sein können, andere sprechen für einen kleinen zusätzlichen Effekt durch passive Methoden (Paraskevopoulos et al., 2023).

Rotatorenmanschettenentzündung (Tendinitis) – Ursachen und Behandlung?

Oft entsteht eine Reizung durch ungewohnten oder zu hohen Belastungsumfang. Dagegen helfen abgestimmte Bewegungsprogramme und gelegentlich entzündungshemmende Mittel (Lewis, 2016).

Eccentric Exercises oder isometrische Übungen – was wirkt bei RCRSP besser?

Beides kann hilfreich sein (Larsson et al., 2019). Meist entscheidet die individuelle Schmerztoleranz.

Biopsychosozialer Ansatz bei Schulterschmerzen: Was bedeutet das?

Psychisches Erleben, soziale Einflüsse und körperliche Aspekte agieren zusammen (Haik et al., 2020). Wer alle Ebenen beachtet, findet oft eher geeignete Strategien.

Nach der Schulter-OP: Wie Trainingstherapie die Genesung fördert?

Für einen gesunden Wiedereinstieg ins Alltagsleben ist ein strukturierter Plan sinnvoll (Michener et al., 2024).

Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.
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