Ein immer wieder umknickendes Sprunggelenk kann den Alltag stark beeinträchtigen. Viele Betroffene wissen nicht, dass mangelnde Dorsalflexion und eine schwache dynamische Balance dafür oft die Hauptrollen spielen.
Ein immer wieder umknickendes Sprunggelenk kann den Alltag stark beeinträchtigen. Viele Betroffene wissen nicht, dass mangelnde Dorsalflexion und eine schwache dynamische Balance dafür oft die Hauptrollen spielen.
Chronische Sprunggelenksinstabilität (CAI) macht sich oft nach mehrfachem Sprunggelenk-Umknicken bemerkbar und führt zu Beschwerden wie Schmerzen, geringerer Beweglichkeit und wiederkehrenden Distorsionen. Dorsalflexion spielt dabei eine zentrale Rolle, eng verknüpft mit dynamischer Balance. Im folgenden Text geht es um die gezielte Kombination von Physiotherapie Sprunggelenk und Gelenkmobilisation. Zu diesem Zweck stehen Therapeutenmobilisation und Selbstmobilisation zur Wahl. Wer das Sprunggelenk stabiler machen, erneute Umknickereignisse minimieren und mehr Sicherheit gewinnen möchte, findet weiter unten Hinweise zu Sprunggelenk-Übungen, Bandagen, Taping und anderen konservativen Herangehensweisen. Außerdem werden einige Studien zur CAI-Therapie erwähnt, um den aktuellen Forschungsstand darzustellen und mögliche Forschungslücken aufzuzeigen.
Wiederholte seitliche Umknickbewegungen können die Bandstrukturen am Sprunggelenk überdehnen oder unvollständig ausheilen lassen. Viele Betroffene beschreiben eine wackelige Fußstellung und Unsicherheit beim Gehen (Fong et al., 2007). Akute Verletzungen – sogenannte laterale Kapselbandverletzungen (LAS) – wirken auf den ersten Blick geringfügig, können jedoch langwierig sein (Kannus & Renstrom, 1991). Bis zu 74 % klagen sogar noch Jahre später über anhaltende Symptome (Anandacoomarasamy & Barnsley, 2005). Etwa ein Drittel entwickelt schlussendlich eine chronische Sprunggelenksinstabilität (Konradsen et al., 2002). Dabei kommt es neben eingeschränkter Funktion auch zu Angst-Vermeidungsverhalten und weniger Aktivität im Sport (Doherty et al., 2016; Verhagen et al., 1995). Auf lange Sicht kann daraus noch Gröberes entstehen (Kruk, 2007).
Wer geht oder läuft, braucht ausreichend Spielraum in Dorsalflexion (Hoch et al., 2015). Ist dieser eingeschränkt, rutscht man häufiger mit dem Fuß zur Seite weg. Personen mit CAI weisen oftmals ein zu kleines Dorsalflexions-Fenster (DF-ROM) sowie ungenügende Kontrolle über die Beinachse auf (Hoch & McKeon, 2011). Das lässt sich beispielsweise mit dem Knie-zur-Wand-Test erfassen. Hinzu kommt, dass die dynamische Balance enorm zur Gelenksicherheit beiträgt (Gribble et al., 2012). Der Y-Balance-Test eignet sich hier, um Fortschritte beim Halten und Ausbalancieren zu überprüfen.
Wer eine professionelle Behandlung (etwa Maitland-Mobilisation Grad III) in Anspruch nimmt, erhält gezielte manuelle Techniken durch Fachpersonal, das den Talus in eine optimale Gleitposition bringt (Vicenzino et al., 2006). Oft finden mehrere Sitzungen statt. Eine Studie (Burton et al., 2020) beleuchtete den Vergleich mit einer eigenständigen Vorgehensweise. Dabei erhielten 10 Teilnehmende (CAI) die klassische Mobilisation (jeweils viermal zwei Minuten posterior-anteriorer Impuls pro Termin), während 8 andere denselben Zeitumfang in Form von Selbstmobilisation anwendeten.
Die Resultate sprechen dafür, dass beide Konzepte nützlich sein können, allerdings auf unterschiedliche Art. Wer am Dorsalflexions-Spielraum arbeiten will, profitiert eher vom Selbstprogramm. Wer hingegen Wert auf dynamisches Gleichgewicht legt, erzielt womöglich mehr Benefit durch Fachanleitung.
Wer selbst mobilisiert, nutzt einfache Handgriffe und Bewegungen ohne permanente Anwesenheit des Therapeuten. Dazu gehört etwa das rückwärts gerichtete Gleiten des Talus im Ausfallschritt (viermal zwei Minuten pro Session, Burton et al., 2020). Man platziert ein elastisches Band in der Nähe des Sprunggelenks, bewegt das vordere Knie nach vorn und erzeugt so einen kontrollierten Zug.
Etwa ein Drittel der Personen mit CAI merkt nicht nur funktionale Defizite, sondern auch Schwankungen im Aktivitätsniveau und bei sportlichen Vorlieben. Eigenes Üben kann dem entgegenwirken. Zu bedenken bleibt jedoch, dass manche Studien nur wenige Probanden berücksichtigten oder kein längeres Follow-up hatten.
Ein Bein vorn, das andere hinten. Das vordere Knie nach vorn schieben, bis man die Dehnung in der Wade spürt. Gleichmäßig verstärken, um das Gelenk geschmeidiger zu bekommen.
Instabile Unterlagen wie Kissen oder Wackelbretter fördern die tief liegenden Muskeln. Das schult Koordination und baut mehr Sicherheit im Alltag auf (Munn et al., 2010).
Eine Methode, um den Dorsalflexions-Spielraum objektiv zu erfassen. Dabei bleibt die Ferse am Boden, während das Knie sachte Richtung Wand geführt wird.
Man steht auf einem Bein, während der andere Fuß drei definierte Punkte berührt. Dieses Verfahren dokumentiert, wie gut das Bein Gleichgewichtsaufgaben bewältigt (Gribble et al., 2012).
Publikationen (Vicenzino et al., 2006; Cruz-Díaz et al., 2015) weisen auf günstige Folgen durch Gelenkmobilisation hin, etwa wenn es um Bewegungsumfang, weniger Angst und mehr Sicherheit im Alltag geht. Dennoch gibt es Limitierungen:
Trotz dieser Einschränkungen kann man annehmen, dass sowohl der Fachansatz als auch das eigene Handanlegen positive Veränderungen auslösen – vor allem in Hinblick auf Dorsalflexion und Standfestigkeit.
Wer sich mit CAI auseinandersetzen muss, kann mithilfe von Physiotherapie Sprunggelenk, Selbstmobilisation, Therapeutenmobilisation, Taping und Bandagen viel erreichen. Die verschiedenen Bausteine lassen sich gut kombinieren, um sowohl die Dorsalflexion als auch das Gleichgewicht allmählich auszubauen. Wer konsequent dranbleibt, kann seinen Alltag wieder ohne ständiges Umknick-Risiko genießen.
Anandacoomarasamy, A. & Barnsley, L. (2005)
Long term outcomes of inversion ankle injuries. British Journal of Sports Medicine, 39(3), e14.
Burton, C.A., Arthur, R.J., Rivera, M.J. & Powden, C.J. (2020)
The Examination of Repeated Self-Mobilizations With Movement and Joint Mobilizations on Individuals With Chronic Ankle Instability. Journal of Sport Rehabilitation, 12 October, 1–9.
Cruz-Díaz, D., Lomas Vega, R., Osuna-Pérez, M.C., Hita-Contreras, F. & Martínez-Amat, A. (2015)
Effects of joint mobilization on chronic ankle instability: a randomized controlled trial. Disability and Rehabilitation, 37(7), 601–610.
Doherty, C., Bleakley, C., Hertel, J., Caulfield, B., Ryan, J. & Delahunt, E. (2016)
Recovery from a first-time lateral ankle sprain and the predictors of chronic ankle instability: a prospective cohort analysis. The American Journal of Sports Medicine, 44(4), 995–1003.
Fong, D.T., Hong, Y., Chan, L.K., Yung, P.S. & Chan, K.M. (2007)
A systematic review on ankle injury and ankle sprain in sports. Sports Medicine, 37(1), 73–94.
Gribble, P.A., Hertel, J. & Plisky, P. (2012)
Using the Star Excursion Balance Test to assess dynamic postural-control deficits and outcomes in lower extremity injury: a literature and systematic review. Journal of Athletic Training, 47(3), 339–357.
Hertel, J. & Corbett, R.O. (2019)
An Updated Model of Chronic Ankle Instability. Journal of Athletic Training, 54(6), 572–588.
Hoch, M.C. & McKeon, P.O. (2011)
Joint mobilization improves spatiotemporal postural control and range of motion in those with chronic ankle instability. Journal of Orthopaedic Research, 29(3), 326–332.
Hoch, M.C., Andreatta, R.D., Mullineaux, D.R., English, R.A., McKeon, J.M., Mattacola, C.G. & McKeon, P.O. (2012)
Two-week joint mobilization intervention improves self-reported function, range of motion, and dynamic balance in those with chronic ankle instability. Journal of Orthopaedic Research, 30(11), 1798–1804.
Hoch, M.C., Farwell, K.E., Gaven, S.L. & Weinhandl, J.T. (2015)
Weight-bearing dorsiflexion range of motion and landing biomechanics in individuals with chronic ankle instability. Journal of Athletic Training, 50(8), 833–839.
Kannus, P. & Renstrom, P. (1991)
Treatment for acute tears of the lateral ligaments of the ankle. Operation, cast, or early controlled mobilization. The Journal of Bone and Joint Surgery. American Volume, 73(2), 305–312.
Konradsen, L., Bech, L., Ehrenbjerg, M. & Nickelsen, T. (2002)
Seven years follow-up after ankle inversion trauma. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 12(3), 129–135.
Kruk, J. (2007)
Physical activity in the prevention of the most frequent chronic diseases: an analysis of the recent evidence. Asian Pacific Journal of Cancer Prevention, 8(3), 325–338.
Loudon, J.K., Reiman, M.P. & Sylvain, J. (2014)
The efficacy of manual joint mobilisation/manipulation in treatment of lateral ankle sprains: a systematic review. British Journal of Sports Medicine, 48(5), 365–370.
Munn, J., Sullivan, S.J. & Schneiders, A.G. (2010)
Evidence of sensorimotor deficits in functional ankle instability: a systematic review with meta-analysis. Journal of Science and Medicine in Sport, 13(1), 2–12.
Verhagen, R., De Keizer, G. & Van Dijk, C. (1995)
Long-term follow-up of inversion trauma of the ankle. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery, 114(2), 92–96.
Vicenzino, B., Branjerdporn, M., Teys, P. & Jordan, K. (2006)
Initial changes in posterior talar glide and dorsiflexion of the ankle after mobilization with movement in individuals with recurrent ankle sprain. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 36(7), 464–471.
Das Phänomen resultiert oft aus mehrfachen Bandverletzungen, die unvollständig geheilt sind. Es kommt wiederholt zum Umknicken und einem Gefühl von Unsicherheit.
Ohne ausreichende Bewegungsfreiheit in Dorsalflexion fällt das Abrollen schwerer. Das erhöht das Risiko neuerlicher Verletzungen.
Beim ersten kümmert sich ein Fachprofi um gezielte Mobilisation. Beim zweiten übernimmt die Person selbst. Die Wirkungen überschneiden sich zwar, zielen aber teils auf unterschiedliche Aspekte (Kraft vs. Dorsalflexion).
Wer selbst aktiv wird, kann täglich daran arbeiten und den Bewegungsradius erweitern. Das mindert Sorge und festigt die Funktion.
Es beinhaltet Übungen für Kraft und Koordination, ergänzt durch Mobilisation, um sowohl Plantarflexion als auch Dorsalflexion zu verbessern.
Eigenverantwortliches Handeln, weniger Abhängigkeit von Praxisbesuchen und oft eine gute Entwicklung beim Gelenkspielraum.
Elastische Tapes, Sportbandagen oder Orthesen stützen das Gelenk unterschiedlich stark. Die Wahl richtet sich nach der Schwere der Instabilität.
Es gibt zahlreiche Berichte über vorteilhafte Effekte. Doch beschränkte Probandenzahlen und fehlende Kontrollbedingungen schwächen teils die Aussagekraft. Langzeitfolgen sind zudem nicht immer klar erfasst.
Ja, durch beständiges Training, fachkundige Anleitung und graduelle Steigerung der Belastung wächst das Vertrauen ins Gelenk.
Man befestigt ein elastisches Band am Talus, nimmt Schrittstellung ein und beugt das vordere Knie leicht. Auf diese Weise entsteht ein schonender Zug, der die Dorsalflexion verbessert.