Sprunggelenk stärken: Warum Dorsalflexion bei CAI so wichtig ist

Ein immer wieder umknickendes Sprunggelenk kann den Alltag stark beeinträchtigen. Viele Betroffene wissen nicht, dass mangelnde Dorsalflexion und eine schwache dynamische Balance dafür oft die Hauptrollen spielen.

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Letztes Update:
2025-03-02
Von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.)
Geschäftsführerin
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Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.

Chronische Sprunggelenksinstabilität (CAI) macht sich oft nach mehrfachem Sprunggelenk-Umknicken bemerkbar und führt zu Beschwerden wie Schmerzen, geringerer Beweglichkeit und wiederkehrenden Distorsionen. Dorsalflexion spielt dabei eine zentrale Rolle, eng verknüpft mit dynamischer Balance. Im folgenden Text geht es um die gezielte Kombination von Physiotherapie Sprunggelenk und Gelenkmobilisation. Zu diesem Zweck stehen Therapeutenmobilisation und Selbstmobilisation zur Wahl. Wer das Sprunggelenk stabiler machen, erneute Umknickereignisse minimieren und mehr Sicherheit gewinnen möchte, findet weiter unten Hinweise zu Sprunggelenk-Übungen, Bandagen, Taping und anderen konservativen Herangehensweisen. Außerdem werden einige Studien zur CAI-Therapie erwähnt, um den aktuellen Forschungsstand darzustellen und mögliche Forschungslücken aufzuzeigen.

Was ist eine chronische Sprunggelenksinstabilität (CAI) und wie entsteht sie?


Wiederholte seitliche Umknickbewegungen können die Bandstrukturen am Sprunggelenk überdehnen oder unvollständig ausheilen lassen. Viele Betroffene beschreiben eine wackelige Fußstellung und Unsicherheit beim Gehen (Fong et al., 2007). Akute Verletzungen – sogenannte laterale Kapselbandverletzungen (LAS) – wirken auf den ersten Blick geringfügig, können jedoch langwierig sein (Kannus & Renstrom, 1991). Bis zu 74 % klagen sogar noch Jahre später über anhaltende Symptome (Anandacoomarasamy & Barnsley, 2005). Etwa ein Drittel entwickelt schlussendlich eine chronische Sprunggelenksinstabilität (Konradsen et al., 2002). Dabei kommt es neben eingeschränkter Funktion auch zu Angst-Vermeidungsverhalten und weniger Aktivität im Sport (Doherty et al., 2016; Verhagen et al., 1995). Auf lange Sicht kann daraus noch Gröberes entstehen (Kruk, 2007).

Warum sind Dorsalflexion und dynamische Balance bei CAI so wichtig?

Wer geht oder läuft, braucht ausreichend Spielraum in Dorsalflexion (Hoch et al., 2015). Ist dieser eingeschränkt, rutscht man häufiger mit dem Fuß zur Seite weg. Personen mit CAI weisen oftmals ein zu kleines Dorsalflexions-Fenster (DF-ROM) sowie ungenügende Kontrolle über die Beinachse auf (Hoch & McKeon, 2011). Das lässt sich beispielsweise mit dem Knie-zur-Wand-Test erfassen. Hinzu kommt, dass die dynamische Balance enorm zur Gelenksicherheit beiträgt (Gribble et al., 2012). Der Y-Balance-Test eignet sich hier, um Fortschritte beim Halten und Ausbalancieren zu überprüfen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Therapeutenmobilisation und Selbstmobilisation?

Wer eine professionelle Behandlung (etwa Maitland-Mobilisation Grad III) in Anspruch nimmt, erhält gezielte manuelle Techniken durch Fachpersonal, das den Talus in eine optimale Gleitposition bringt (Vicenzino et al., 2006). Oft finden mehrere Sitzungen statt. Eine Studie (Burton et al., 2020) beleuchtete den Vergleich mit einer eigenständigen Vorgehensweise. Dabei erhielten 10 Teilnehmende (CAI) die klassische Mobilisation (jeweils viermal zwei Minuten posterior-anteriorer Impuls pro Termin), während 8 andere denselben Zeitumfang in Form von Selbstmobilisation anwendeten.

Wichtige Details aus der Untersuchung

  • Beide Gruppen absolvierten sechs Einheiten.
  • Gemessen wurden Dorsalflexion (Knie-zur-Wand-Test), Y-Balance-Test, isometrische Kraft, Sprunggelenks-Funktion (Quick-FAAM), Angstwerte (FABQ, TAMPA) und allgemeine Funktion (DPA).
  • Die professionelle Mobilisation steigerte unter anderem die Reichweite im lateralen Bereich (Y-Balance-Test) sowie die Kraft der Invertoren.
  • Bei der Selbstmobilisation zeigte sich besonders eine verbesserte Dorsalflexion (80 % übertrafen die minimal messbare Differenz gegenüber 37,5 % in der Therapeuten-Gruppe).
  • Zusätzlich legten Evertorenkraft und Selbsteinschätzung der Funktion (Quick-FAAM, DPA) zu.

Die Resultate sprechen dafür, dass beide Konzepte nützlich sein können, allerdings auf unterschiedliche Art. Wer am Dorsalflexions-Spielraum arbeiten will, profitiert eher vom Selbstprogramm. Wer hingegen Wert auf dynamisches Gleichgewicht legt, erzielt womöglich mehr Benefit durch Fachanleitung.

Wie funktioniert Selbstmobilisation und welche Vorteile bietet sie bei CAI?

Wer selbst mobilisiert, nutzt einfache Handgriffe und Bewegungen ohne permanente Anwesenheit des Therapeuten. Dazu gehört etwa das rückwärts gerichtete Gleiten des Talus im Ausfallschritt (viermal zwei Minuten pro Session, Burton et al., 2020). Man platziert ein elastisches Band in der Nähe des Sprunggelenks, bewegt das vordere Knie nach vorn und erzeugt so einen kontrollierten Zug.

Warum das Ganze sinnvoll sein kann

  • Aktive Beteiligung: Man übernimmt ein Stück weit selbst die Verantwortung für den Heilungsprozess.
  • Weniger Angst: Wer eigenständig übt, gewinnt Vertrauen in den eigenen Knöchel (Doherty et al., 2016).
  • Effekte auf Dorsalflexion: Die Forschung sieht darin eine gute Methode, um das Bewegungsmaß zu steigern (Vicenzino et al., 2006; Burton et al., 2020).
  • Kosten und Zeit: Da weniger Termine beim Profi anfallen, bleibt mehr Flexibilität im Alltag.

Etwa ein Drittel der Personen mit CAI merkt nicht nur funktionale Defizite, sondern auch Schwankungen im Aktivitätsniveau und bei sportlichen Vorlieben. Eigenes Üben kann dem entgegenwirken. Zu bedenken bleibt jedoch, dass manche Studien nur wenige Probanden berücksichtigten oder kein längeres Follow-up hatten.

Welche Übungen verbessern Beweglichkeit und Stabilität besonders effektiv?

Sprunggelenkmobilisation im Ausfallschritt

Ein Bein vorn, das andere hinten. Das vordere Knie nach vorn schieben, bis man die Dehnung in der Wade spürt. Gleichmäßig verstärken, um das Gelenk geschmeidiger zu bekommen.

Propriozeptionsübungen mit Balancekissen

Instabile Unterlagen wie Kissen oder Wackelbretter fördern die tief liegenden Muskeln. Das schult Koordination und baut mehr Sicherheit im Alltag auf (Munn et al., 2010).

Knie-zur-Wand-Test

Eine Methode, um den Dorsalflexions-Spielraum objektiv zu erfassen. Dabei bleibt die Ferse am Boden, während das Knie sachte Richtung Wand geführt wird.

Y-Balance-Test

Man steht auf einem Bein, während der andere Fuß drei definierte Punkte berührt. Dieses Verfahren dokumentiert, wie gut das Bein Gleichgewichtsaufgaben bewältigt (Gribble et al., 2012).

Welche ergänzenden konservativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

  • Taping und Bandagen: Bieten Stabilität beim Sport oder im Alltag.
  • Orthesen: Entlasten das Gelenk noch stärker bei sehr hohem Instabilitätsgrad.
  • Physiotherapie Sprunggelenk: Ein Mix aus Kraft-, Koordinations- und Wahrnehmungstraining.
  • Manuelle Therapie: Kurze, spezifische Impulse zur Mobilisation eingeschränkter Gelenkregionen (Hoch & McKeon, 2011).
  • Reha-Programm: Häufig mit Fokus auf Plantarflexion und Dorsalflexion, um das Sprunggelenk als Ganzes zu kräftigen.

Was sagen aktuelle Studien und wo liegen die Grenzen der bisherigen Forschung?

Publikationen (Vicenzino et al., 2006; Cruz-Díaz et al., 2015) weisen auf günstige Folgen durch Gelenkmobilisation hin, etwa wenn es um Bewegungsumfang, weniger Angst und mehr Sicherheit im Alltag geht. Dennoch gibt es Limitierungen:

  • Häufig wurden recht wenige Teilnehmende untersucht (Burton et al., 2020).
  • In manchen Fällen fehlen Kontrollgruppen (Placebo oder Vergleich).
  • Manche Studien erfassen die Resultate nur direkt nach dem Interventionszeitraum (Cruz-Díaz et al., 2015).

Trotz dieser Einschränkungen kann man annehmen, dass sowohl der Fachansatz als auch das eigene Handanlegen positive Veränderungen auslösen – vor allem in Hinblick auf Dorsalflexion und Standfestigkeit.

Wer sich mit CAI auseinandersetzen muss, kann mithilfe von Physiotherapie Sprunggelenk, Selbstmobilisation, Therapeutenmobilisation, Taping und Bandagen viel erreichen. Die verschiedenen Bausteine lassen sich gut kombinieren, um sowohl die Dorsalflexion als auch das Gleichgewicht allmählich auszubauen. Wer konsequent dranbleibt, kann seinen Alltag wieder ohne ständiges Umknick-Risiko genießen.

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Referenzen

Anandacoomarasamy, A. & Barnsley, L. (2005)
Long term outcomes of inversion ankle injuries. British Journal of Sports Medicine, 39(3), e14.

Burton, C.A., Arthur, R.J., Rivera, M.J. & Powden, C.J. (2020)
The Examination of Repeated Self-Mobilizations With Movement and Joint Mobilizations on Individuals With Chronic Ankle Instability. Journal of Sport Rehabilitation, 12 October, 1–9.

Cruz-Díaz, D., Lomas Vega, R., Osuna-Pérez, M.C., Hita-Contreras, F. & Martínez-Amat, A. (2015)
Effects of joint mobilization on chronic ankle instability: a randomized controlled trial. Disability and Rehabilitation, 37(7), 601–610.

Doherty, C., Bleakley, C., Hertel, J., Caulfield, B., Ryan, J. & Delahunt, E. (2016)
Recovery from a first-time lateral ankle sprain and the predictors of chronic ankle instability: a prospective cohort analysis. The American Journal of Sports Medicine, 44(4), 995–1003.

Fong, D.T., Hong, Y., Chan, L.K., Yung, P.S. & Chan, K.M. (2007)
A systematic review on ankle injury and ankle sprain in sports. Sports Medicine, 37(1), 73–94.

Gribble, P.A., Hertel, J. & Plisky, P. (2012)
Using the Star Excursion Balance Test to assess dynamic postural-control deficits and outcomes in lower extremity injury: a literature and systematic review. Journal of Athletic Training, 47(3), 339–357.

Hertel, J. & Corbett, R.O. (2019)
An Updated Model of Chronic Ankle Instability. Journal of Athletic Training, 54(6), 572–588.

Hoch, M.C. & McKeon, P.O. (2011)
Joint mobilization improves spatiotemporal postural control and range of motion in those with chronic ankle instability. Journal of Orthopaedic Research, 29(3), 326–332.

Hoch, M.C., Andreatta, R.D., Mullineaux, D.R., English, R.A., McKeon, J.M., Mattacola, C.G. & McKeon, P.O. (2012)
Two-week joint mobilization intervention improves self-reported function, range of motion, and dynamic balance in those with chronic ankle instability. Journal of Orthopaedic Research, 30(11), 1798–1804.

Hoch, M.C., Farwell, K.E., Gaven, S.L. & Weinhandl, J.T. (2015)
Weight-bearing dorsiflexion range of motion and landing biomechanics in individuals with chronic ankle instability. Journal of Athletic Training, 50(8), 833–839.

Kannus, P. & Renstrom, P. (1991)
Treatment for acute tears of the lateral ligaments of the ankle. Operation, cast, or early controlled mobilization. The Journal of Bone and Joint Surgery. American Volume, 73(2), 305–312.

Konradsen, L., Bech, L., Ehrenbjerg, M. & Nickelsen, T. (2002)
Seven years follow-up after ankle inversion trauma. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 12(3), 129–135.

Kruk, J. (2007)
Physical activity in the prevention of the most frequent chronic diseases: an analysis of the recent evidence. Asian Pacific Journal of Cancer Prevention, 8(3), 325–338.

Loudon, J.K., Reiman, M.P. & Sylvain, J. (2014)
The efficacy of manual joint mobilisation/manipulation in treatment of lateral ankle sprains: a systematic review. British Journal of Sports Medicine, 48(5), 365–370.

Munn, J., Sullivan, S.J. & Schneiders, A.G. (2010)
Evidence of sensorimotor deficits in functional ankle instability: a systematic review with meta-analysis. Journal of Science and Medicine in Sport, 13(1), 2–12.

Verhagen, R., De Keizer, G. & Van Dijk, C. (1995)
Long-term follow-up of inversion trauma of the ankle. Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery, 114(2), 92–96.

Vicenzino, B., Branjerdporn, M., Teys, P. & Jordan, K. (2006)
Initial changes in posterior talar glide and dorsiflexion of the ankle after mobilization with movement in individuals with recurrent ankle sprain. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 36(7), 464–471.

Für Ihr Notizbuch


Was ist eine chronische Sprunggelenksinstabilität und wie entsteht sie?

Das Phänomen resultiert oft aus mehrfachen Bandverletzungen, die unvollständig geheilt sind. Es kommt wiederholt zum Umknicken und einem Gefühl von Unsicherheit.

Warum Dorsalflexion so wichtig ist bei chronischer Sprunggelenksinstabilität?

Ohne ausreichende Bewegungsfreiheit in Dorsalflexion fällt das Abrollen schwerer. Das erhöht das Risiko neuerlicher Verletzungen.

Unterschiede zwischen Therapeutenmobilisation und Selbstmobilisation beim Sprunggelenk?

Beim ersten kümmert sich ein Fachprofi um gezielte Mobilisation. Beim zweiten übernimmt die Person selbst. Die Wirkungen überschneiden sich zwar, zielen aber teils auf unterschiedliche Aspekte (Kraft vs. Dorsalflexion).

Wie hilft Selbstmobilisation dem Sprunggelenk bei wiederholtem Umknicken?

Wer selbst aktiv wird, kann täglich daran arbeiten und den Bewegungsradius erweitern. Das mindert Sorge und festigt die Funktion.

Gezieltes Training für mehr Stabilität und Beweglichkeit im Sprunggelenk – was bedeutet das konkret?

Es beinhaltet Übungen für Kraft und Koordination, ergänzt durch Mobilisation, um sowohl Plantarflexion als auch Dorsalflexion zu verbessern.

Was bringt ein Heimprogramm mit Selbstmobilisation bei CAI?

Eigenverantwortliches Handeln, weniger Abhängigkeit von Praxisbesuchen und oft eine gute Entwicklung beim Gelenkspielraum.

Welche Bandagen und Taping-Methoden gibt es?

Elastische Tapes, Sportbandagen oder Orthesen stützen das Gelenk unterschiedlich stark. Die Wahl richtet sich nach der Schwere der Instabilität.

Wie ist die Studienlage zur Therapie von CAI und wo liegen deren Grenzen?

Es gibt zahlreiche Berichte über vorteilhafte Effekte. Doch beschränkte Probandenzahlen und fehlende Kontrollbedingungen schwächen teils die Aussagekraft. Langzeitfolgen sind zudem nicht immer klar erfasst.

Können Angst-Vermeidungsverhalten und Kinesiophobie nach Sprunggelenksverletzungen abgebaut werden?

Ja, durch beständiges Training, fachkundige Anleitung und graduelle Steigerung der Belastung wächst das Vertrauen ins Gelenk.

Wie sieht die Talus-Posterior-Gleitmobilisation Schritt für Schritt aus?

Man befestigt ein elastisches Band am Talus, nimmt Schrittstellung ein und beugt das vordere Knie leicht. Auf diese Weise entsteht ein schonender Zug, der die Dorsalflexion verbessert.

Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.
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