Tennisarm effektiv lindern: Übungen, Tipps und Risikofaktoren

Tennisarm erkennen und behandeln: Tipps für effektive Übungen, manuelle Therapie und Vorbeugung. Lindern Sie Schmerzen mit gezieltem Training.

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Letztes Update:
2025-02-05
Von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.)
Geschäftsführerin
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Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.

Was ist eine laterale Epicondylopathie (Tennisarm) und wodurch entsteht sie?

Wer den Begriff „laterale Epicondylopathie“ hört, denkt vielleicht an etwas Kompliziertes. Doch im Grunde beschreibt er lediglich eine Überlastung am äußeren Ellenbogen, die häufig Tennisarm heißt. In diesem Bereich treten feine Schädigungen im Sehnengewebe auf, oft ausgelöst durch wiederholte Greif- oder Drehbewegungen. Kaum jemand muss wirklich auf dem Tennisplatz stehen, um diese Reizung zu spüren. Dauerhafte Überanstrengung im Beruf oder Haushalt kann den gleichen Effekt haben. Studien verorten die Hauptprobleme in den Ansätzen der Handgelenkstrecker (Lucado et al., 2018).

Woran erkennt man einen Tennisarm und welche Untersuchungen helfen bei der Diagnose?

Ein Tennisarm äußert sich durch ziehende oder stechende Empfindungen rund um den äußeren Knochenvorsprung. Schon eine scheinbar leichte Tätigkeit kann dann unangenehm sein.

Wer wissen möchte, ob er betroffen ist, achtet auf Punkte wie:

  • Schmerzen bei Faustschluss oder Handgelenkstreckung gegen Widerstand
  • Deutlicher Druckschmerz, wenn man auf den lateralen Ellenbogen drückt
  • Beschwerden beim Heben eines gefüllten Wasserglases

In Praxen wird meist die Griffkraft gemessen. Auch Ultraschall oder MRT kann zum Einsatz kommen, vor allem, um andere Ursachen zu verwerfen. Trotzdem basieren viele Diagnosen hauptsächlich auf der klinischen Beurteilung (Tyler et al., 2010).

Welche nicht-operativen Methoden sind wissenschaftlich belegt und wie wende ich sie an?

Manuelle Therapie – kurz und knackig

Ein reiner Massageansatz wirkt kurzfristig, reicht aber selten aus. Deshalb wird manuelle Behandlung besser mit aktiver Gymnastik kombiniert (Bisset et al., 2006).

  • Kurzfristige Schmerzlinderung: Nach gezielten Handgriffen können Schmerzen reduziert sein, was einen idealen Moment darstellt, aktiv zu üben.
  • Techniken auswählen: Mulligan-Mobilisation (MWM) oder Querfriktion im Sehnenbereich gelten als hilfreich. Sie setzen direkt am Ellenbogen oder an umliegenden Gelenken an (PTOMNI.COM).
  • Umfang: Anfänglich kann ein bis zweimal pro Woche ausreichend sein. Danach sollte die aktive Komponente in den Vordergrund rücken.
  • Dokumentation: Es empfiehlt sich, die Griffkraft vor und nach einer Behandlung zu messen. So merkt man, ob Fortschritte eintreten.

Übungstherapie – der eigentliche Schlüssel

Aktives Training setzt ein Zeichen in Richtung Regeneration. Auch leichte Schmerzen müssen nicht zwingend den Prozess stoppen (Smidt et al., 2002).

  • Früher Beginn: Bereits in einer Phase mit moderaten Symptomen kann man isometrische Übungen einbauen.
  • Exzentrische Übungen: Zum Beispiel das langsame Absenken einer kleinen Hantel aus der Handgelenkstreckung in die Beugung. Das andere, gesunde Handgelenk bringt das Gewicht in die Ausgangslage. Studien zeigen hier gute Erfolge (Tyler et al., 2010).
  • Schrittweises Steigern: Alle ein oder zwei Wochen lässt sich die Intensität oder Wiederholungszahl anpassen. Bei Rückfällen die Belastung etwas senken, statt das Training ganz zu stoppen.
  • Rundumblick: Oft ist auch die Schulter- und Nackenmuskulatur geschwächt. Ruderbewegungen oder Außenrotation des Schultergelenks können helfen, um den Ellenbogen zu entlasten.
  • Alltagsroutine: Mehrere kurze Einheiten anstelle einer einzigen langen Session. Morgens, abends oder sogar in der Mittagspause – was eben passt.

Welche Risikofaktoren begünstigen einen Tennisarm und wie kann ich mich schützen?

Monotone Bewegungen oder eine verkrampfte Handhaltung können das Ellenbogengewebe belasten. So kommt es, dass Bauarbeiter, Angestellte oder Hobbybastler ähnliche Beschwerden entwickeln können. Wer greift, dreht und schraubt in einer ungünstigen Position, riskiert unangenehme Folgen am äußeren Gelenk.

Pausen, etwas Gymnastik für den Schultergürtel und eine bessere Ergonomie lassen sich als Vorsorge nutzen. Gerade Personen, die viel mit den Händen hantieren, sollten ihren Arbeitsplatz möglichst abwechslungsreich einrichten.

Wie lange dauert die Behandlung und wann sind deutliche Verbesserungen zu erwarten?

Wer rasche Wunder erwartet, braucht etwas Geduld. Erste Erleichterungen kommen manchmal nach ein paar Wochen, bei hartnäckigen Fällen kann es länger dauern (Smidt et al., 2002). Aktive Gymnastik und manuelle Maßnahmen lohnen sich besonders, wenn sie konsequent verfolgt werden. Nach einer Weile beruhigt sich der gereizte Sehnenansatz meist, was eine bessere Belastbarkeit ermöglicht.

Lohnen sich Kortison-, Eigenblut- oder Hyaluronspritzen und was zeigt die Studienlage?

Wer eine Kortisonspritze erwägt, profitiert manchmal rasch. Allerdings kehrt der Schmerz bei vielen zurück, teils sogar stärker (Smidt et al., 2002). Eigenblut (PRP) liefert ebenfalls unterschiedliche Ergebnisse (Arirachakaran et al., 2016). Einige fühlen sich besser, andere merken wenig Veränderung. Auch Hyaluron hat keine einheitlichen Resultate. Man sollte also sorgfältig abwägen, ob diese Spritzen überzeugen können.

Wann ist eine Operation sinnvoll und für welche Patienten ist sie überhaupt geeignet?

Eine Operation wird meistens erst empfohlen, wenn wirklich nichts anderes geholfen hat und bereits viele Monate vergangen sind. Oft lässt sich das Ganze mit Therapie und exzentrischen Übungen wieder in den Griff bekommen. Einige Quellen nennen sechs Monate als Mindestzeit für nicht-invasive Verfahren, bevor ein chirurgischer Schritt infrage kommt (Bisset et al., 2006). Selbst dann bleiben Risiken zu bedenken.

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Referenzen

Arirachakaran, A., Sukthuayat, A., Sisayanarane, T. et al. (2016)
Platelet-rich plasma versus autologous blood versus steroid injection in lateral epicondylitis: A systematic review and network meta-analysis. Journal of Orthopaedics and Traumatology, 17(2), S. 101–112.

Bisset, L., Paungmali, A., Vicenzino, B. und Beller, E. (2006)
A systematic review and meta-analysis of clinical trials on physical interventions for lateral epicondylalgia. British Journal of Sports Medicine, 39(7), S. 411–422.

Lucado, A., Malmstrom, T. und Wilson, L. (2018)
Pathomechanics of the wrist extensors in lateral epicondylopathy: A review. Journal of Orthopaedic Research, 36(9), S. 1234–1240.

PTOMNI.COM (o. J.)
Mulligan Mobilization with Movement Techniken bei Tennisarm. Online verfügbar unter: https://www.ptomni.com

Smidt, N., van der Windt, D. A., Assendelft, W. J. et al. (2002)
Effectiveness of physiotherapy for lateral epicondylitis: A systematic review. Annals of Medicine, 34(3), S. 221–242.

Tyler, T. F., Thomas, G. C., Nicholas, S. J. und McHugh, M. P. (2010)
Addition of scapular stabilization exercises to standard care for lateral epicondylitis: A randomized trial. Journal of Shoulder and Elbow Surgery, 19(8), S. 1230–1235.

Für Ihr Notizbuch

Was ist eine laterale Epicondylopathie und wie entsteht ein Tennisarm?

Eine Überlastungsreaktion im Bereich des äußeren Ellenbogens, häufig durch wiederholte Bewegungen.

Welche Symptome deuten auf einen Tennisarm hin und wie wird er diagnostiziert?

Schmerz bei Griff- oder Drehbewegungen, gelegentlicher Kraftverlust. Fachleute testen meist die Griffkraft; ein MRT kann andere Krankheiten ausschließen.

Welche konservativen Behandlungsmethoden bei Tennisarm sind wissenschaftlich belegt?

Manuelle Techniken und exzentrische Belastungsformen gelten als hilfreich. Studien verweisen auf spürbare Erfolge in Kombination.

Exzentrisches Krafttraining bei Tennisarm: Wie funktioniert es und warum ist es effektiv?

Man lässt das Handgelenk samt Gewicht langsam in die Dehnung sinken. Diese kontrollierte Belastung stabilisiert das Gewebe.

Manuelle Therapie beim Tennisarm: Welche Techniken helfen am besten?

Sanfte Mobilisationen (etwa MWM) und punktuelle Friktionen können kurzfristig Linderung bringen und den Start ins aktive Training vereinfachen.

Wie lange dauert die Heilung eines Tennisarms bei konservativer Behandlung?

Von wenigen Wochen bis hin zu einigen Monaten. Manche erleben eine schnelle Beruhigung, bei anderen braucht es mehr Ausdauer.

Wann ist eine Operation bei Tennisarm wirklich sinnvoll?

Meist erst nach einem halben Jahr konservativer Therapien ohne Erfolg. Viele kommen ohne Skalpell zurecht.

Wie kann ich einem Tennisarm vorbeugen? Tipps für Alltag und Beruf

Ergonomische Werkzeuge, Mini-Pausen und kurze Dehnroutinen. Auch die Schulter kräftigen, damit der Ellenbogen nicht alles abbekommt.

Kortison- oder Eigenblut-Injektionen: Was sagt die Studienlage zur Wirksamkeit?

Temporäre Schmerzlinderung möglich, allerdings kein sicherer Garant für anhaltende Besserung. Wiederkehrende Schmerzen sind nicht selten.

Welche Übungen sind am besten, um meinen Tennisarm im Alltag zu entlasten?

Vor allem langsames Absenken eines kleinen Gewichts und leichte Dehnungsübungen. Isometrische Varianten helfen ebenfalls.

Wann ist eine Bandage oder Orthese bei einem Tennisarm sinnvoll?

Ein Unterarmgurt kann gelegentlich Erleichterung bieten, doch echtes Training ersetzt er nicht.

Kann Stoßwellentherapie oder Akupunktur meinen Tennisarm heilen?

Manche fühlen sich dadurch besser. Die wissenschaftlichen Befunde liefern aber kein klares Bild.

Tennisarm trotz keiner sportlichen Aktivität – warum kann das passieren?

Repetitives Schrauben oder Heben im Arbeitsumfeld sorgt oft für denselben Effekt wie ein Dauerschwung auf dem Tennisplatz.

Wie kann ich exzentrische Übungen gegen einen Tennisarm in den Alltag integrieren?

Kurz vorm Frühstück oder nach Feierabend: ein paar langsame Absenkbewegungen mit wenig Gewicht einbauen. Kleine Schritte über die Woche verteilen.

Welche Rolle spielen Risikofaktoren wie Beruf oder falsche Technik beim Tennisarm?

Einseitiges Belasten oder unergonomische Abläufe sind häufige Auslöser. Schon einfache Korrekturen können den Ellenbogen schonen.

Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.
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