Erfahren Sie, wie gezieltes Training und Orthesen helfen, Rundrücken zu mindern und BWS-Schmerzen zu lindern.
Erfahren Sie, wie gezieltes Training und Orthesen helfen, Rundrücken zu mindern und BWS-Schmerzen zu lindern.
Thorakale Hyperkyphose macht sich oft durch einen sichtbaren Rundrücken bemerkbar und kann bei Jüngeren genauso auftreten wie im höheren Alter. Manch eine Person stört vor allem die Optik, andere quälen hartnäckige Nacken- oder BWS-Beschwerden. Rasch stellt sich dann die Frage: Welche Strategien wirken am besten gegen diese Krümmung? Im Folgenden gebe ich einen Überblick über hilfreiche Optionen – von gezielten Trainingsplänen über stützende Bandagen bis hin zu manuellen Techniken. Auch Schmerzen zwischen den Schulterblättern (Rhomboidenschmerzen) kommen ins Spiel, da ein Rundrücken diese oft verschärft. Mitunter liegt eine Scheuermann-Krankheit (häufiger bei Jüngeren) oder Osteoporose vor, oder die Ursache bleibt unklar. Wer mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, profitiert in vielen Fällen von Übungen, die den Brustwirbelbereich aufrichten und die extensorische Muskulatur stärken. Hier schauen wir uns verschiedene Herangehensweisen an und binden relevante Studien ein.
Eine umfassende Datenauswertung (Jenkins et al., 2021) beschreibt diverse Konzepte zur Korrektur eines Rundrückens. Meist messen Fachleute dafür den Winkel in der Brustwirbelsäule, der üblicherweise in einer Spanne von etwa 20 bis 45 Grad liegt (Fon et al., 1980). Sobald dieser Wert die Marke von etwa 40 Grad übersteigt, sprechen Fachpersonen von einer Hyperkyphose, die zum Beispiel auf Scheuermann-Krankheit, Osteoporose oder unklare Faktoren zurückgehen kann.
Bei den untersuchten Behandlungswegen trennen die Autorinnen und Autoren grob zwischen Trainingsprogrammen, stützenden Hilfen (Orthesen, sogenannte Braces) und manuellen Ansätzen. Dabei richtet sich der Blick darauf, wie stark die Rückenkurve sinkt und ob schmerzhafte Beschwerden nachlassen. Häufig werden muskelkräftigende Elemente, Dehnungen und kleine Mobilisationsübungen eingebaut. Gerade bei Osteoporose kann zusätzlich eine Stabilisierung des Rumpfes sinnvoll sein.
Durchdachtes Training zeigt oft große Wirkung, besonders bei jüngeren Personen mit Scheuermann-Krankheit oder idiopathischer Hyperkyphose (Roghani et al., 2017; Katzman et al., 2010). Ältere Menschen ziehen ebenfalls Nutzen daraus, indem sie die Haltemuskeln rund um die Brustwirbelsäule schrittweise kräftigen. Vielfältige Übungen stehen zur Verfügung, um eine aufrechtere Körperposition zu erreichen. Beispiele für Seniorinnen und Senioren:
Meist dauert ein solches Programm etwa drei Monate, verteilt auf einige Einheiten pro Woche. Eine fachkundige Begleitung verhindert Überforderung und gibt wichtige Rückmeldungen.
Einige Menschen greifen auf Rückenorthesen oder Bandagen zurück, gerade wenn eine starke Krümmung vorliegt oder Schmerzepisoden häufig werden (Kado, 2007; Yau et al., 2016). Diese Produkte sollen den Rumpf aufrechter halten und so für etwas Entlastung sorgen. Man beobachtet in Studien gelegentlich eine Verminderung des Wirbelsäulenwinkels, zumindest für die Zeit des Tragens. Ratsam ist jedoch, solche Stützen stets mit aktiven Übungen zu kombinieren, damit die Muskulatur nicht zu sehr vernachlässigt wird. Wer davon etwas Positives erhofft, kann das Hilfsmittel zeitweise einsetzen, um im Alltag etwas Abhilfe zu spüren.
Verschiedene Arbeiten (Kamali et al., 2016; Bennell et al., 2010) geben Hinweise, dass Übungen und manuelle Methoden zusammen die Haltung positiv beeinflussen und Rückenschmerzen lindern können. Besonders bei jüngeren Menschen erscheinen die Erfolge zum Teil deutlich. Allerdings kommt auch eine Meta-Analyse (Jenkins et al., 2021) zu folgenden Ergebnissen:
Insgesamt bringen Mobilisationstechniken und Kräftigungsübungen der Brustwirbelsäule bei vielen Betroffenen Erleichterung. Trotzdem reagieren manche langsamer und benötigen zusätzliche Geduld. Dosierte Steigerungen und regelmäßige Kontrolle verhindern Überlastungen und halten die Motivation hoch.
Dieser Bereich kann ziemlich zwicken, wenn ein muskuläres Problem vorliegt oder der Schmerz von Hals- oder Brustwirbelsäule ausgeht. Wer herausfinden möchte, ob die Nackenregion beteiligt ist, schaut darauf, ob bestimmte Kopfbewegungen das Ziehen verstärken (Slipman et al., 2005; Cloward, 1959). Darüber hinaus geben spezielle Drucktests an der BWS Hinweise, ob dort eine Quelle liegt. Lokale Rhomboidenschmerzen lassen sich häufig genau ertasten, während ausstrahlender Schmerz eher unklar verteilt sein kann. Vielmals helfen kurze Dehnsequenzen, Triggerpunktbehandlungen oder vorsichtige Mobilisation. Auch simple Übungen im Alltag, beispielsweise kleine Schulterblattbewegungen, leisten oft schon erste Abhilfe.
Barrett, E., O’Keeffe, M., O’Sullivan, K., et al. (2016). Is thoracic spine posture associated with shoulder pain, range of motion and function? A systematic review. Manual Therapy, 26, 38–46.
Bautmans, I., Van Arken, J., Van Mackelenberg, M. & Mets, T. (2010). Rehabilitation using manual mobilization for thoracic kyphosis in elderly postmenopausal patients with osteoporosis. Journal of Rehabilitation Medicine, 42(2), 129–135. https://doi.org/10.2340/16501977-0486
Bennell, K., Matthews, B., Greig, A., Briggs, A., Kelly, A., Sherburn, M., Larsen, J. & Wark, J. (2010). Effects of an exercise and manual therapy program on physical impairments, function and quality-of-life in people with osteoporotic vertebral fracture: a randomised, single-blind controlled pilot trial. BMC Musculoskeletal Disorders, 11, 36. https://doi.org/10.1186/1471-2474-11-36
Christensen, S.T. & Hartvigsen, J. (2008). Spinal curves and health: a systematic critical review of the epidemiological literature dealing with associations between sagittal spinal curves and health. Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics, 31(9), 690–714.
Cloward, R.B. (1959). The cervical discography: a contribution to the etiology and mechanism of neck, shoulder and arm pain. Annals of Surgery, 150(6), 1052–1064. https://doi.org/10.1097/00000658-195912000-00015
Dreyfuss, P., Tibiletti, C. & Dreyer, S.J. (1994). Thoracic zygapophysial joint pain patterns. A study in normal volunteers. Spine, 19(7), 807–811.
Fon, G.T., Pitt, M.J. & Thies Jr, A.C. (1980). Thoracic kyphosis: range in normal subjects. American Journal of Roentgenology, 134(5), 979–983. https://doi.org/10.2214/ajr.134.5.979
Jenkins, H.J., Downie, A.S., Fernandez, M. & Hancock, M.J. (2021). Decreasing thoracic hyperkyphosis – which treatments are most effective? A systematic literature review and meta-analysis. Musculoskeletal Science and Practice, 102438. https://doi.org/10.1016/j.msksp.2021.102438
Kado, D.M., Prenovost, K. & Crandall, C. (2007). Narrative review: hyperkyphosis in older persons. Annals of Internal Medicine, 147(5), 330–338. https://doi.org/10.7326/0003-4819-147-5-200709040-00007
Kamali, F., Shirazi, S., Ebrahimi, S., Mirshamsi, M. & Ghanbari, A. (2016). Comparison of manual therapy and exercise therapy for postural hyperkyphosis: A randomized clinical trial. Physiotherapy Theory and Practice, 32(2), 92–97. https://doi.org/10.3109/09593985.2015.1110739
Katzman, W.B., Wanek, L., Shepherd, J.A. & Sellmeyer, D.E. (2010). Age-related hyperkyposis: its causes, consequences, and management. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 40(6), 352–360. https://doi.org/10.2519/jospt.2010.3099
MB, A.D., Aprill, C.H. & Bogduk, N.I. (1990). Zervikale zygapophysäre Gelenkschmerzmuster I: eine Studie an normalen Freiwilligen. Wirbelsäule, 15(6), 453–457. (Originaltitel und genaue Publikationsdaten ggf. abweichend – im Text erwähnt)
Murphy, D.R., Hurwitz, E.L., Gerrard, J.K. & Clary, R. (2009). Pain patterns and descriptions in patients with radicular pain: does the pain necessarily follow a specific dermatomal pattern? Chiropractic & Osteopathy, 17(1), 9.
Roghani, T., Zavieh, M.K., Manshadi, F.D., King, N., Katzman, W.B. & Kuo, Y.-L. (2017). Age-related hyperkyphosis: update of its potential causes and clinical impacts—narrative review. Aging Clinical and Experimental Research, 29(4), 567–577. https://doi.org/10.1007/s40520-016-0594-1
Slipman, C.W., Plastaras, C., Patel, R., Isaac, Z., Chow, D., Garvan, C. & Furman, M. (2005). Provocative cervical discography symptom mapping. The Spine Journal, 5(4), 381–388. https://doi.org/10.1016/j.spinee.2004.12.017
Yau, M.S., Demissie, S., Zhou, Y. et al. (2016). Heritability of thoracic spine curvature and genetic correlations with other spine traits: the Framingham study. Journal of Bone and Mineral Research, 31(10), 2077–2084. https://doi.org/10.1002/jbmr.2872
Young, B.A., Gill, H.E., Wainner, R.S. & Flynn, T.W. (2008). Thoracic costotransverse joint pain patterns: a study in normal volunteers. BMC Musculoskeletal Disorders, 9(1), 141.
Ein Mix aus aktiven Kräftigungsübungen, professioneller Anleitung und etwas Ausdauertraining (z. B. Walking) bewirkt häufig eine Verbesserung der Haltung und mindert Schmerzen.
Normalerweise setzt man auf Muskelaufbau, Dehnübungen, stützende Orthesen bei starkem Rundrücken und manchmal manuelle Methoden zur Lockerung.
Häufig bewähren sich sanfte Rotationen im Sitzen, leicht dosierte Kräftigung im Stehen oder an geführten Geräten. Die Belastung sollte stets zum individuellen Fitnesslevel passen.
Wer wenig Stabilität hat oder oft Schmerzspitzen erlebt, kann davon profitieren. Allerdings wird empfohlen, sie nicht ständig zu tragen, damit die eigene Muskelaktivität erhalten bleibt.
Man testet, ob Bewegungen der Halswirbelsäule das Unbehagen verschärfen. Ist das der Fall, liegt der Auslöser vermutlich im Nacken. Bei einem lokalen Schmerzpunkt ist eher der Muskel selber betroffen.
Ja, ein durchdachter Trainingsplan stärkt die aufrichtenden Muskeln und kann so den Winkel im BWS-Bereich spürbar absenken. Das verbessert meist das Wohlbefinden und kann auch optisch eine Erleichterung sein.