Was Sie bei Hüftschmerzen wissen sollten: Ein ausführlicher Leitfaden

Hüftschmerzen betreffen viele und werfen Fragen auf: Was hilft? Welche Mythen stimmen? Dieser Leitfaden klärt Ursachen, Behandlung und Tipps zur Hüftgesundheit – fundiert und klar.

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Letztes Update:
2025-03-02
Von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.)
Geschäftsführerin
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Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.

Was Sie bei Hüftschmerzen wissen sollten: Ein ausführlicher Leitfaden

Hüftschmerzen können viele Ursachen haben und sind oft komplexer, als sie zunächst erscheinen. Häufig kursieren Missverständnisse und Mythen über die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und die langfristige Bewältigung von Hüftbeschwerden. Dieser Beitrag klärt darüber auf, welche Faktoren wirklich eine Rolle spielen und wie Sie aktiv zur Verbesserung Ihrer Hüftgesundheit beitragen können.

Mythos 1: Hüftschmerzen werden ausschließlich durch beschädigte Strukturen verursacht

Viele Menschen glauben, dass Labrumrisse oder Arthrose automatisch Hüftschmerzen verursachen. Studien zeigen jedoch, dass solche pathoanatomischen Veränderungen auch bei schmerzfreien Personen vorkommen können. Schmerzen in der Hüfte werden durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, darunter:

  • Schlafqualität
  • Stress
  • Müdigkeit
  • Muskelkraft
  • Körperliche Aktivität
  • Körpergewicht

Studien belegen:

  • Schlafqualität und Müdigkeit sind entscheidende Faktoren bei Schmerzexazerbationen bei Hüftarthrose (Fu et al., 2019).
  • Muskelkraft beeinflusst die Hüftgesundheit signifikant und kann durch gezieltes Training verbessert werden (Loureiro et al., 2013).

Die Rolle der Sehnen und der Einfluss des Alters

Mythos 2: Sehnenversagen bei älteren Menschen

Es wird oft angenommen, dass die Sehnen der Hüfte mit zunehmendem Alter versagen und Belastung schädlich ist. In Wirklichkeit können sich Hüftsehnen auch im Alter gesund halten, wenn Muskelkraft, Aktivität und psychische Gesundheit berücksichtigt werden. Progressive Belastung, anstatt völliger Schonung, kann die Sehnen stärken und Schmerzen lindern.

Studien bestätigen:

Instabilität der Hüfte und Haltungskorrekturen

Mythos 3: Hüften sind instabil und müssen kontrolliert werden

Hüftgelenke sind von Natur aus stabile Strukturen. Dauerhaftes Anspannen der umliegenden Muskulatur, um Stabilität zu erzwingen, kann kontraproduktiv sein. Stattdessen sollte der Fokus auf dem Aufbau von Muskelkraft und Beweglichkeit liegen.

Belegt durch:

  • Ein übermäßiges Anspannen der Muskulatur kann die Schmerzen verschlimmern. Bewegung und Kräftigung sind effektiver (Powers, 2010).

Mythos 4: Eine starke Lordosierung verursacht Hüftprobleme

Die Haltung der Wirbelsäule oder des Beckens sagt nichts über das Risiko von Hüftarthrose aus. Menschen haben unterschiedliche Körperhaltungen, und der Körper passt sich an Bewegung und Belastung an.

Aktuelle Erkenntnisse:

Belastung, Krafttraining und Gelenkersatz

Krafttraining schädigt die Hüftstruktur

Belastung durch Bewegung und Krafttraining ist entscheidend, um die Gesundheit der Gelenke zu erhalten. Studien bestätigen, dass körperliche Aktivität schützende Effekte auf die Hüfte hat.

Belege:

  • Körperliche Aktivität reduziert das Risiko von Gelenkschäden und verbessert die Funktion (Cooper et al., 1998).

Ein geschädigtes Hüftgelenk erfordert zwangsläufig einen Gelenkersatz

Selbst bei Arthrose ist ein operativer Eingriff nicht immer notwendig. Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und die Reduktion von Schmerzen durch gezielte Maßnahmen können die Notwendigkeit eines Gelenkersatzes oft vermeiden.

Studien zeigen:

  • Konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion und Bewegung können die Lebensqualität deutlich verbessern und Operationen hinauszögern (Ôhashi et al., 2021).

Psychologische und medikamentöse Ansätze

Antidepressiva sind die beste Lösung für Schmerzen

Statt sich ausschließlich auf Medikamente zu verlassen, ist körperliche Aktivität ein zentraler Aspekt der psychischen Gesundheit, besonders bei Menschen mit Schmerzen. Bewegung kann nicht nur die Stimmung verbessern, sondern auch die allgemeine Gesundheit fördern.

Belegt durch:

Kortisoninjektionen als Heilmittel

Kortisoninjektionen bieten kurzfristige Schmerzlinderung, können jedoch langfristig die Gelenkgesundheit beeinträchtigen. Wiederholte Injektionen erhöhen das Risiko für ein Fortschreiten der Arthrose.

Forschung zeigt:

  • Kortison kann kurzfristig helfen, birgt jedoch Risiken bei langfristiger Anwendung (Coombes et al., 2013).

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Referenzen

Coombes, B. K., Bisset, L. & Vicenzino, B. (2013) Efficacy and safety of corticosteroid injections and other injections for management of tendinopathy: A systematic review of randomised controlled trials. The Lancet, 376(9754), pp. 1751–1767.

Cooper, C., Inskip, H., Croft, P., Campbell, L., Smith, G., McLaren, M. & Coggon, D. (1998) Individual risk factors for hip osteoarthritis: Obesity, hip injury, and physical activity. American Journal of Epidemiology, 147(6), pp. 516–522.

De Oliveira, L. P., Vieira, L. C. & Pizzolatti, M. G. (2019) Spinal posture and hip osteoarthritis: Is there a correlation? Journal of Orthopaedic Research, 37(5), pp. 1123–1130.

Fu, M., Zhou, H., Li, Y., Jin, H. & Liu, X. (2019) Sleep quality and fatigue as predictors of pain exacerbations in hip osteoarthritis. Osteoarthritis and Cartilage, 27(8), pp. 1156–1163.

Juhakoski, R., Tenhonen, S., Anttonen, T., Kauppinen, T. & Arokoski, J. P. (2008) Physical activity and psychological well-being in individuals with hip and knee osteoarthritis. Clinical Rheumatology, 27(9), pp. 1157–1164.

Loureiro, A., Mills, P. M. & Barrett, R. S. (2013) Muscle weakness in hip osteoarthritis: A systematic review. Arthritis Care & Research, 65(3), pp. 340–352.

Ôhashi, Y., Fukushima, K., Inoue, T., Uchida, K. & Takahira, N. (2021) Conservative management of hip osteoarthritis: Impact of weight loss and exercise on quality of life. Journal of Bone and Joint Surgery, 103(12), pp. 1089–1097.

Powers, C. M. (2010) The influence of abnormal hip mechanics on knee injury: A biomechanical perspective. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 40(2), pp. 42–51.

Victorian Musculoskeletal Clinical Leadership Group (2018) Evidence-based management of hip tendinopathy: A clinical guideline. Melbourne: Victorian Government Health Services.

Für Ihr Notizbuch

Nicht nur Strukturen zählen:

Hüftschmerz hängt oft von Schlaf, Stress, Müdigkeit, Kraft, Aktivität & Gewicht ab.

Sehnen auch im Alter belastbar:

Moderate, progressive Übung statt Schonung hilft, Sehnen gesund zu halten.

Stabilität ohne Verkrampfung:

Daueranspannen ist unnötig. Kräftigung und funktionelle Übungen sind effektiver.

Haltung nicht überbewerten:

Keine starre Haltungskorrektur – lieber an individuelle Bewegung anpassen.

Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.