Spannungskopfschmerzen verstehen: Ursachen, Behandlung, Prävention

Viele kennen das typische Drücken an Stirn oder Nacken, das häufig das Leben ausbremst. Man spricht dabei oft von Spannungskopfschmerzen oder Stresskopfschmerz.

Artikel lesen
Letztes Update:
2025-01-15
Von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.)
Geschäftsführerin
Spring zum Abschnitt:
Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.

Welche Anzeichen weisen auf Spannungskopfschmerzen hin?

Manchmal fühlt es sich so an, als ob ein straffes Band um den Kopf liegt. Zieht es zudem im Nacken oder in den Schultern, steckt oft eine verspannte Muskulatur dahinter. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit rund um den Schädel ist ebenfalls typisch (Langemark und Olesen, 1985). Wer unsicher ist, ob ein Tension-Type Headache (TTH) vorliegt, klärt das am besten mit Fachpersonal ab.

  • Häufig beidseitige Schmerzintensität
  • Keine auffälligen Begleitsymptome wie extreme Lichtempfindlichkeit
  • Meist moderate Stärke, sodass tägliche Aufgaben noch möglich sind

Welche Faktoren begünstigen Spannungskopfschmerzen?

Stress kann stark dazu beitragen (Viero, Rodrigues und Trevisan, 2022). Schlafmangel oder Fehlhaltungen verschlimmern die Lage. Auch Gene scheinen mitzumischen (Moskaleva et al., 2021). Außerdem zählen sogenannte Triggerpunkte im Nackenbereich oft zu den Mitauslösern (Fernández‐de‐las‐Peñas und Arendt-Nielsen, 2017).

  • Veranlagung: Höheres Risiko, wenn in der Familie bereits Fälle auftraten
  • Periphere Überempfindlichkeit: Muskeln reagieren schneller schmerzhaft
  • Zentrales Schmerzsignal: Daueralarm im Nervensystem

Warum können verspannte Areale zugleich zu schwach sein?

Häufig denken wir bei Verspannungen an „zu viel Spannung“. Tatsächlich können bestimmte Muskeln zwar dauerhaft angespannt sein, sind aber dennoch nicht ausreichend gekräftigt. Das führt zu einer Dysbalance (Fernández‐de‐las‐Peñas und Arendt-Nielsen, 2017).

  • Chronische Überlastung: Einzelne Regionen, besonders im Nacken, arbeiten ununterbrochen und „verhärten“ regelrecht
  • Mangelnde Stabilität: Andere Muskelgruppen bleiben schwach, weil sie kaum aktiviert werden
  • Folge: Trotz scheinbarer Überspannung mangelt es an Kraft, sodass Verspannungen weiterbestehen und Kopfschmerzen begünstigen.

Wie entstehen diese „schwachen, verspannten Areale“?

Es gibt mehrere Hauptursachen für die gleichzeitige Entwicklung von Verspannung und Schwäche:

  • Fehlhaltungen
    Wer oft mit vorgebeugtem Kopf sitzt, belastet bestimmte Nackenmuskeln übermäßig. Andere Muskeln werden kaum eingesetzt und verlieren an Kraft.
  • Stress
    Chronischer Stress führt leicht zu einer Daueranspannung in Nacken und Schultern. Fehlende Entlastung oder gezieltes Training verschärfen diesen Kreislauf (Viero, Rodrigues und Trevisan, 2022).
  • Mangelnde Bewegung
    Ohne regelmäßige Aktivierung und Durchblutung bilden sich verhärtete Bereiche. Diese regenerieren nur schwer und bleiben dauerhaft angespannt.

Episodisch oder chronisch?

Episodische Spannungskopfschmerzen tauchen weniger als 15-mal monatlich auf. Kommt es annähernd täglich dazu, sprechen Fachleute von chronischer Ausprägung (Bhoi et al., 2021). Kurze Episoden verschwinden oft schneller. Langanhaltende Formen setzen Betroffene jedoch stärker unter Druck.

Was macht die Beschwerden schlimmer?

Nicht jeder reagiert gleich, doch Stress ist eine häufige Ursache (Viero, Rodrigues und Trevisan, 2022). Zu wenig Schlaf oder unbequeme Schreibtischhaltung sind ebenfalls wichtig (Pellegrino et al., 2018). Manche Personen kämpfen mit stundenlanger Bildschirmzeit und verspanntem Nacken (Erthal und De Souza Franco Rêgo, 2021).

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Meist startet alles mit einer Befragung: Wie lange dauern die Schmerzen an, wo genau sitzen sie und wie stark sind sie? Anschließend prüfen Fachpersonen, ob bestimmte Halsmuskeln beim Abtasten empfindlich sind (Abboud et al., 2013). Wenn es Zweifel gibt, kann ein bildgebendes Verfahren andere Ursachen ausschließen (Parsaei et al., 2024).

Bewährte Methoden ohne Medikamente

Verschiedene Anwendungen helfen, ohne dass gleich zu Tabletten gegriffen werden muss:

Welche Mittel kommen in Frage?

Bei akuten Attacken nutzen viele Betroffene gängige Schmerzmittel (NSAIDs). In hartnäckigen Fällen gelten niedrig dosierte trizyklische Antidepressiva als Option (Jackson et al., 2017). Ein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt klärt Nutzen und mögliche Nebenwirkungen.

Wo hilft Physiotherapie?

In vielen Fällen sorgt gezielte Physiotherapie für Entlastung (Repiso-Guardeño et al., 2023). Nach genauer Begutachtung gehören manuelle Mobilisationen, Übungen und Triggerpunktbehandlungen zur Palette. Ziel ist es, Verspannungen zu reduzieren und die Haltung zu verbessern (Krøll et al., 2021).

  • Triggerpunkt-Arbeit: Verringert lokale Muskelknoten
  • Kraftaufbau: Stabilisiert Halsbereich und Schultergürtel
  • Aufklärung: Zeigt Alltagstipps für eine bessere Ergonomie

Wie hängen Schlaf, Ernährung und Stress damit zusammen?

Unausgeschlafen oder hungrig verschlimmert sich das Problem oft (Pellegrino et al., 2018). Auch ausgelassene Mahlzeiten oder innere Anspannung können Beschwerden anstoßen (Martin und Seneviratne, 1997). Manche setzen deshalb auf geregelte Bettzeiten und Atemtechniken.

Wirksame Wege für die Zukunft

Ein Bündel an Maßnahmen hilft, um dem Dauerdruck im Kopf auf lange Sicht den Garaus zu machen:

  1. Bewegung im Alltag: Zum Beispiel Fahrradfahren oder zügiges Gehen (Krøll et al., 2018)
  2. Rituale zum Abschalten: Meditation oder Yoga gegen den Alltagsstress
  3. Muskelpflege: Stretchen und gezieltes Massieren
  4. Ruhepausen: Genug Schlaf und Pausen einplanen

Neue Ideen rund um Spannungskopfschmerzen

rTMS (repetitive transkranielle Magnetstimulation) gewinnt an Interesse (Mattoo et al., 2019). So wird versucht, ausgewählte Hirnregionen gezielt anzuregen. Außerdem schauen Fachpersonen vermehrt auf die Druckschmerzempfindlichkeit im Kiefer-, Gesichts- und Nackenbereich (Fernández‐de‐las‐Peñas et al., 2020).

Abgrenzung zu Migräne und Clusterkopfschmerz

Migräne pulsiert, macht lichtempfindlich und verursacht oft Übelkeit. Clusterkopfschmerz bohrt intensiv einseitig, meist rund ums Auge. Spannungskopfschmerzen wirken meist gleichmäßig und weniger heftig.

Häufige Irrtümer bei der Behandlung

Wer zu oft Schmerztabletten einwirft, riskiert, dass das Kopfweh regelrecht angetrieben wird. Außerdem sollte Stress nicht ignoriert werden, da Dauerbelastung dem Kopf zusätzlich zusetzt (Holroyd et al., 2001). Bei Unsicherheiten sollte man eine fundierte Abklärung vornehmen lassen.

Accordian Plus Icon

Referenzen

Hier finden Sie alle im Artikel genannten Studienquellen in alphabetischer Reihenfolge.

Abboud et al. (2013)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1177/0333102413492913

Bhoi et al. (2021)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.4103/0028-3886.315986

Erthal und De Souza Franco Rêgo (2021)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.5327/1516-3180.307

Fernández‐de‐las‐Peñas und Arendt-Nielsen (2017)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1080/14737175.2017.1359088

Fernández‐de‐las‐Peñas et al. (2020)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1177/0333102420958384

Holroyd et al. (2001)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1001/JAMA.285.17.2208

Jackson et al. (2017)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/s11606-017-4121-z

Krøll et al. (2018)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1177/0333102417752119

Krøll et al. (2021)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1186/s10194-021-01298-4

Langemark und Olesen (1985)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1046/j.1468-2982.1987.0704249.x

Martin und Seneviratne (1997)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1037//0278-6133.16.4.310

Martín-Vera et al. (2023)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.3389/fneur.2023.1256303

Mattoo et al. (2019)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.4103/ijmr.IJMR_97_18

Moskaleva et al. (2021)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.20333/25000136-2021-3-5-14

Parsaei et al. (2024)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1002/jnr.25294

Pellegrino et al. (2018)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1177/0333102417727535

Repiso-Guardeño et al. (2023)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.3390/ijerph20054466

Viero, Rodrigues und Trevisan (2022)
OnlineOnline Verfügbar unter: https://doi.org/10.1080/14737175.2022.2041414

Für Ihr Notizbuch

Soforthilfe bei akuten Spannungskopfschmerzen?

Ein mildes Schmerzmittel oder kurze Entspannungsphasen. Manchen helfen Dehnübungen des Nackens.

Wie oft sind Schmerzmittel ok?

Manche Fachleute raten, pro Monat nicht öfter als an zehn Tagen zu Tabletten zu greifen.

Sport bei Spannungskopfschmerzen – empfehlenswert?

In vielen Fällen ja. Leichter Ausdauersport oder Yoga kann vorbeugend wirken.

Akupunktur oder Physiotherapie?

Beides kann eine Option sein. Wer wiederkehrende Beschwerden hat, kombiniert oft Physiotherapie plus Akupunktur (Krøll et al., 2021).

Weshalb ein Übungsprogramm?

Zielgerichtete Trainingseinheiten stärken die Halsmuskulatur und beugen erneuten Episoden vor (Martín-Vera et al., 2023).

Geschrieben von:
Yasar Basylev
Physiotherapeutin (B.Sc.) Manualtherapeutin Geschäftsführerin der Skava Physio GmbH.